Das Beuroner Vetus Latina-Institut

Das in Beuron seit 1945 vom Benediktinermönch P. Dr. Bonifatius Fischer OSB († 1997) aufgebaute „Vetus Latina-Institut“ hat die vollständige Sammlung und kritische Herausgabe aller erhaltenen Reste der altlateinischen Bibelübersetzungen aus Handschriften und Zitaten bei alten Schriftstellern zur Aufgabe. Auf P. Bonifatius Fischer als ersten Institutsleiter folgte 1973 in dieser Funktion Professor Dr. Hermann Josef Frede († 1998) und 1998 Monsignore Professor Dr. Mag. Roger Gryson. Seit 2013 steht das Institut unter der wissenschaftlichen Leitung von Professor Dr. Dr. Thomas Johann Bauer.

Nach fast sechs Jahrzehnten editorischen Schaffens an der Vetus Latina ist etwa die Hälfte des Pensums geschafft. Gut und gern werden noch einige Jahrzehnte intensiven Forschens und Edierens nötig sein, bis das Werk zum Abschluss gebracht ist.

Die Editionsarbeit

Die von Pfarrer Denk begonnene Zettelkartei wird laufend erweitert und erneuert (gegenwärtig umfasst sie gut eine Million Nachweise); die Zitate werden nach den besten kritischen Editionen ausgewertet und das handschriftliche Material in Mikrofilmen oder daraus gefertigten Fotoabzügen benützt. Um das Mit- und Nebeneinander der verschiedenen Textzeugen auf einer Seite sichtbar zu machen, wurde eine spezielle Editionstechnik entwickelt.

So bietet die dreigeteilte Textseite jedes Bandes der Edition im oberen Teil zwischen dem Ausgangspunkt, nämlich dem griechischen Text mit seinen einwirkenden Varianten, und dem Endpunkt der lateinischen Textentwicklung, nämlich der Vulgata mit den aus der Vetus Latina stammenden Lesarten, die erhaltenen altlateinischen Texttypen mit allen verschiedenen Abweichungen. Der kritische Apparat (mittlerer Teil) nennt zu jedem Text die einzelnen Zeugen, Handschriften und Schriftsteller, und gibt kurze Hinweise auf die Textgeschichte und grammatikalische Besonderheiten.

Im Zeugenapparat (unterer Teil) findet sich der genaue Wortlaut jedes Textzeugen. Bei jedem Vers der Bibel wird also ohne weiteres ersichtlich, welche Väter den Vers wo zitieren (die Zahl kann zwischen Null und anderthalb Tausend schwanken). Jeder einem bestimmten biblischen Buch gewidmete Band bzw. Teilband der Edition bietet darüber hinaus in umfangreichen Einleitungskapiteln und Nachworten eine Beschreibung der benützten Handschriften, klassifiziert die verwendeten Texte, behandelt das Verhältnis zur griechischen Vorlage und umreißt die größeren Linien der Textgeschichte des biblischen Buches.

Erzabtei Beuron

Die Erzabtei Beuron im Donautal

Die Manuskripterstellung

Arbeit am Manuskript

Fahnenkorrektur

Fahnenkorrektur

Erzabtei Beuron

Abbildung Textseite der Edition Vetus LatinaGroße Ansicht

Dreigeteilte Textseite der Edition mit zwei Zeilen aus der Offenbarung des Johannes (18,12)