Die Anfänge der wissenschaftlichen
Arbeit an der Vetus Latina

Die erste wissenschaftliche Ausgabe der altlateinischen Bibel („Vetus Italica“) schuf der französische Benediktinermönch Pierre Sabatier († 1742), der aus den Werken von etwa 60 Kirchenvätern die altlateinischen Bibelzitate sammelte und in drei mächtigen Foliobänden veröffentlichte.

Eine Gesamtausgabe der altlateinischen Texte auf der Basis der edierten Handschriften und der selbständig exzerpierten Schriftstellerzitate wurde – angeregt durch Professor Eduard Wölfflin († 1908), dem Begründer des Thesaurus Linguae Latinae – vom Münchner Pfarrer Josef Denk († 1927) geplant, der in 24-jähriger Arbeit eine Zettelkartei mit etwa 400.000 altlateinischen Bibelzitaten aus den Jahren 200 bis 800 nach Christus aufbaute. Er durchforschte dazu mehr als 300 Werke aus diesem Zeitraum. Nach Denks Tod gelangte seine wertvolle Sammlung, der so genannte „Zettelkasten“, in die Erzabtei Beuron. Die Hauptlast der modernen Editionsarbeit wird seit Jahrzehnten von hochqualifizierten Wissenschaftlern beider Konfessionen und von Mönchen der Erzabtei Beuron im Vetus Latina-Institut geleistet. Die Edition, die im Verlag Herder, Freiburg im Breisgau, erscheint, ist auf 27 Bände angelegt, von denen einige in Teilbände gegliedert sind. In einer die Edition ergänzenden wissenschaftlichen Schriftenreihe werden patristische Texte ediert und Einzelfragen der biblischen Überlieferung behandelt. Als Abschluss des Gesamtwerkes ist eine große lateinisch-griechische sowie griechisch-lateinische Konkordanz zur gesamten lateinischen Bibel geplant, deren Erarbeitung nach dem Fortschritt der Ausgabe erfolgt.

Vetus Italica Große Ansicht
Titelseite einer ‚Vetus Italica‘ aus dem Jahr 1743